Die 3 größten Vorurteile zu klassischer Musik

Wäre klassische Musik eine Person, trüge sie Anzug, Fliege und einen leicht verkniffenen Blick. Denn: Klassik gilt als Spießer-Musik. Aber warum eigentlich? Wir haben uns die klassischen ;-) Vorurteile angeguckt – und gute Argumente gefunden, Klassik aus der Klischeeschublade zu holen.

1. Von alten Menschen für alte Menschen

Klassik finden viele so prickelnd wie Staubsaugen oder Wäschewaschen. Forscher der Universität Osnabrück haben herausgefunden, dass das gerade für Jugendliche gilt. Hier kursieren die größten Vorurteile. Das häufigste Klischee: Klassik ist nur was für Oldies. Wir sind der Meinung: Meeep! Not! Das zeigen immer wieder Popstars, die Crossover-Experimente wagen: Zum Beispiel Ariana Grande, die mit einem rein weiblich besetzen Orchester die Songs ihres Albums ‚Sweetener‘ neu interpretiert (hier geht’s zum Video). Und natürlich beweisen auch Klassik-Stars, dass das Genre keine Altersgrenzen kennt: Der kanadische Pianist Jan Lisiecki ist gerade mal 24 Jahre alt. Und auch beim „Australian Youth Orchestra“ stehen garantiert keine Oldies auf der Bühne. Bei ihrem gemeinsamen Auftritt im Rahmen des Rheingau Musik Festivals beweisen Lisiecki und das Orchester, dass Konzerte in c-Moll nicht nur VON jungen Menschen sind, sondern auch FÜR junge Zuhörer.

2. Streberalarm

Klassik-Stars spielen schon Harfe, bevor sie Dreirad fahren können, so das Vorurteil. Ein Klischee, dass sicher überzogen ist, in dem aber auch Wahres steckt. Eine Untersuchung im Auftrag der ARD hat ergeben: Wer früh Zugang zu Musik bekommt, ist später offener für klassische Musik. Dafür muss man allerdings nicht zwingend ein Streber sein, sondern erstmal nur Fernsehen gucken, wie das Beispiel von Starpianist Lang Lang zeigt. Angeblich sah er im Alter von zwei (!) Jahren Tom und Jerry im TV. Als Tom die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt auf dem Klavier spielte, soll Lang den Wunsch gefasst haben, auch selbst in die Tasten zu hauen – und zwar nicht in die der Fernbedienung.

3. Klassik ist laaaangweilig

„It’s gettin’ hot in here, so take off all your clothes“ – solche Lyrics sind in der Klassik so wahrscheinlich wie ein Dirigent, der Macarena tanzt. Schon klar: Klassik ist keine Partymusik für die Großraum-Disse. Dass Klassik nur was für den Ohrensessel oder die Philharmonie ist, stimmt aber genauso wenig. Zu Beethovens Neunter bleibt keiner ruhig sitzen und auch zu Mozart lässt sich vortrefflich die Luft-Geige fiedeln. Ein Orchester besteht immerhin aus ungefähr 50 bis 100 Musikern – da kommt ordentlich Wumms zusammen. Crossover-Experimente á la Metallica zeigen, dass Klassik auch Krawall kann.