16.08.2021

Till Lindemann: Ein Tausendsassa

Leistungsschwimmer, Dichter, Solokünstler: Till Lindemann besitzt zahlreiche Talente. Sechs von seinen Facetten stellen wir euch hier vor.

_In einem Paralleluniversum hätten wir Lindemann vielleicht als Schwimm-Star kennengelernt. Als Jugendlicher war er tatsächlich Leistungsschwimmer in der DDR. 1980 sollte eigentlich an den Olympischen Spielen in Moskau teilnehmen. Doch ihm wurde vorab die Teilnahme verwehrt, da er sich – so liest man – beim BDR–Team klassenfeindliche Aufkleber besorgt haben soll. Schon damals hat Lindemann bewiesen: Mit dem Strom schwimmt er nicht! Egal ob die Story stimmt, kurz vor der Olympiade im Jahr 1979 musste er seine Schwimm-Karriere aufgrund einer Verletzung sowieso beenden.

_ Als Sänger der Band Rammstein ist er heute weltbekannt. Die Gruppe wird nicht nur für ihre harten Riffs und Texte geliebt – die Fans feiern auch die fulminanten Bühnenshows, die u. a. mit spektakulären Feuer-Elemente faszinieren. Aus Sicherheitsgründen hat Lindemann deshalb bereits zwei Jahre nach Gründung der Band, 1996, eine Ausbildung zum Pyrotechniker abgeschlossen und das Spiel mit dem Feuer gelernt!

_Lindemann schreibt alle Song-Lyrics selbst. Die Liebe zum geschriebenen Wort wurde ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater war Kinderbuchautor, seine Mutter Journalistin. Mit neun Jahren verfasste er bereits erste Verse. Sein Vater nutzte einen in seinem Buch „Mike Oldfield im Schaukelstuhl“: „Er knackt ganz einfach jede Nuss, und die nicht will, muss.“

_Lindemann kann nicht nur Songtexte, sondern auch Poesie. 2002 erschien sein erster Gedichtband „Messer“ zusammen mit dem Lichtkünstler und Regisseur Gert Hof, der lange Zeit Rammsteins Shows inszenierte. 2013 erschien ein zweiter Gedichtband: „In stillen Nächten“. Künstlerisch aktiv wurde er 2014. Er stellte in einer Dresdner Galerie die Originalmanuskripte sowie eigens angefertigte Plastiken aus. 2017 folgte der Bild- und Gedichtband „Yukon – mein gehasster Freund“ mit seinem Freund Joey Kelly. Dafür bereisten die beiden den rauen und mächtigen Fluss in Kanada und ließen ihre Reise von dem Fotografen Thomas Stachelhaus dokumentieren.

_Seit sechs Jahren ist der 58-Jährige musikalisch auch abseits von Rammstein unterwegs. Sein Soloprojekt „Lindemann“ rief er 2015 zusammen mit seinem Freund, dem schwedischen Musiker Peter Tägtgren, ins Leben. Seit 2020 verfolgt Lindemann das Projekt alleine weiter. Er sah darin die Chance, seine Ideen zu verwirklichen, abseits von den festen Band-Routinen, und seinen Horizont zu erweitern. Zunächst schrieb er die Songs auf Englisch, um sich stärker von dem Rammstein-Sound abzuheben. Die englische Sprache bot ihm neue Möglichkeiten, sich auszudrücken. Dem Magazin Morecore gegenüber sagte er: „Englisch öffnete mir die Tür für andere Pointen, andere Refrains, andere Metaphern. Es war, als hätte ich ein vollkommen neues, mir fremdes Gebäude betreten – oder eher einen Süßigkeitenladen, in dem ich mich frei bedienen konnte.“ Einen Song brachte er sogar auf Russisch heraus, mittlerweile schreibt und singt er wieder auf Deutsch. Wir sind gespannt, wohin ihn sein Weg noch führt und welche weiteren Facetten seines Künstlertums er mit uns teilen wird.

Sein Talent als Performer könnt ihr bald live erleben! 2022 geht er mit seinem Soloprojekt auf Tour! Eins ist sicher: Es wird provokant und spektakulär.